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Der Blick ins Heft Dezember 2017

foto: pixabay.com Der Monatsspruch:

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lukas 1,78-79

Von Constance Bürger, Redakteurin der Evangelischen Wochenzeitung "die Kirche", Berlin

Vor mir sehe ich einen hellen Stern am dunklen Himmel. Er ist mir sehr nah, einige Zacken recken sich mehr als andere. Der Stern leuchtet hell, ist fast weiß, blendet nicht. Vor meinem inneren Augen. Ich denke an die Sonne, wie sie vor dem hellblauen Himmel ihre Kreise zieht. Ja, sie blendet mich, aber sie wärmt mich, äußerlich und innerlich. Ich fühle mich wohl. Der Stern gibt mir Kraft, die Sonne gibt mir Wärme. Wie sieht Ihr Licht aus?

Kürzlich leuchtete der Sternenhimmel klar und hell. Es war spät nachts und kalt, wir hielten inne und entdeckten das Sternbild Orion. Drei Sterne, dabei sind es doch unendlich viele, die in der Finsternis leuchten. „Denk an deinen Schöpfer, solange du jung bist ... Warte damit nicht, bis der Glanz von Sonne, Mond und Sternen für dich immer schwächer wahrnehmbar wird und die Wolken nach einem Regenschauer sofort wieder am Himmel erscheinen“ (Prediger 12,1-2).

Gott ist unser aller Licht. Er liebt uns, ist barmherzig zu uns, leuchtet uns den Weg - und all denen, die ihr Leben in einem neuen Licht sehen wollen. Er gibt uns Kraft in dunklen Zeiten, besinnt uns auf das wesentliche im Leben - Gemeinschaft, Frieden, Liebe.

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foto: pixabay.com Sehnsucht nach Gott

Predigttext zum 10. Dezember 2017
2. Advent: Jesaja 63,15-16 (17-19a). 19b; 64, 1-3

Du, Herr, bist unser Vater; „Unser Erlöser“, das ist von alters her dein Name. Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen. Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die auf ihn harren.
Jesaja 63,16b+19b,64,3b

Von Thilo Haak, Pfarrer, Osterkirchengemeinde, Berlin-Wedding

Sie alle kennen das Gefühl der Sehnsucht. In der Bibel ist viel von Sehnsucht die Rede. Nicht immer mit diesem Wort, aber in Geschichten, Liedern und Gebeten. In der Geschichte des Volkes Israel gab es eine Zeit, in der fast das ganze Volk aus der Heimat gerissen wurde und sie als Gefangene in ein fremdes Land mussten. Etwa zwei Generationen lang. Tausende von Kilometern weg von der Heimat. Eine fremde Sprache, fremde Bräuche, eine fremde Landschaft. Natürlich, man lebt sich ein. Man arrangiert sich. Aber können Sie sich vorstellen, wie die Augen der Älteren leuchten, wenn sie von früher erzählen? Wie die Kinder dasitzen und auch gerne dort wären?

Die Menschen haben ihre Sehnsucht in Lieder gepackt, in geformte Gebete. Ach, wenn Gott doch nur käme, jetzt, heute und sie heimholen könnte, in die Heimat. Eines dieses Lieder, die von der Sehnsucht des alten Volkes Israel erzählen, ist unser Predigttext. Die Sehnsucht des alten Israel hat sich erfüllt! Das Babylonische Exil der Israeliten dauerte etwa 60 Jahre, dann besiegten die Perser das babylonische Reich und ließen die Israeliten wieder nach Hause ziehen.

Auch wir haben Sehnsucht. Wir wollen nicht wie Israel nach Hause ans Mittelmeer, nach Jerusalem. Aber eine Sehnsucht nach einem Zuhause, an ein Ankommen in einem Zustand, der schöner und besser ist, als das, was wir gerade erleben, ist oft stark in uns. Und wir sehnen uns danach, dass es gerechter zugeht auf dieser Welt. Die Güter sollen allen gleich gehören. Krieg soll nicht mehr sein. Kein Mensch soll leiden müssen unter den Machtansprüchen selbsternannter Herren dieser Welt. Die Einheit unserer Kirche sehnen wir herbei.

Diese so unbestimmbare Sehnsucht ist eine Sehnsucht nach Gott, nach dem Reich Gottes. So wie wir in jedem Vaterunser bitten: „Dein Reich komme“. Es ist die gleiche Sehnsucht, die die Israeliten hatten und haben. Die Sehnsucht, nach Hause zu kommen, aber nicht an einen Ort in ?dieser Welt, sondern dorthin, wo alles gut ist, wo Gott alles in allem ist.

Ich glaube, dass das Weihnachtsfest und die Stimmung, die davon ausgeht, in dieser Sehnsucht ihre Wurzel haben. Zu Weihnachten wollen wir Antworten von Gott auf unsere Sehnsucht, dringend, so wie die Israeliten damals. Und das Schöne, das Verblüffende, das Tröstende, das Beruhigende an Weihnachten ist: Gott gibt uns eine Antwort - auf seine fürsorgliche Art.

Aber soweit sind wir noch nicht. Noch sind wir im Advent. Noch geht es darum, diese Sehnsucht nach Gott wahrzunehmen. Im Advent verleihen wir der Sehnsucht nach Heimat, nach Gott, unsere Stimme. Alle Adventslieder sprechen von der Sehnsucht und der Erwartung, dass Gott sich uns zeigen möchte.

Advent ist getragen vom Wissen, dass Gott mit Weihnachten unseren Sehnsüchten Antwort gibt. Er tut es, indem er einer wird wie wir: ein Mensch, zunächst Kind in der Krippe, dann aber als Erwachsener einer, die die Liebe und den Frieden lebte, der den Menschen Ruhe und Geborgenheit gab, wie kein anderer vor oder nach ihm.

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foto: pixabay.com Hell soll es werden

Predigttext zum Heiligen Abend, 24. Dezember 2017: Jesaja 9,1-6

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande scheint es hell.
Jesaja 9, 1

Von Wolfgang Barthen, Superintendent im Ruhestand, Berlin

Oktoberabend. Wir fahren im Bus zum Wiener Flughafen. Freunde des Gustav-Adolf-Werkes auf dem Rückweg von den österreichischen Reformationsfeierlichkeiten. Da! Einer ruft es: Der Mond.

Groß, satt und schwer. Unendlich golden steht er über dem Horizont. Das Licht scheint direkt in unsere Seele. - Vor Jahren erlebt: Die Mönche, Nacht für Nacht in den Klöstern auf dem Heiligen Berg Athos: In der Finsternis singen sie, schweigen, warten. Bis dort, im kleinen Fenster des Altarrunds, die Strahlen der aufgehenden Sonne einbrechen und alles mit jubelndem Licht erfüllen. Auferstehung. Erwartet am Ende einer jeden Nacht.

Und nun unser Prophet Jesaja: Er sieht das Volk im Finstern wandeln. Er hört die dröhnenden Stiefel der Gewalt. Allgegenwärtig ist das Blut der Unschuldigen, das zum Himmel schreit. So ist auch unser Alltag. Immer noch. Die Menschen gehen gebeugt wie unter einem Joch. Die Sorge um Gesundheit oder Rente, die Angst vor dem Fremden oder die Erfahrung des Verlassenwerdens, selbst durch die Nächsten.

Jeder kennt das. In diese Normalität der dunklen Welt kommt der Trompetenstoß des Jesaja, und sofort haben wir die erleuchteten Felder von Bethlehem vor Augen: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ Die Hirten reiben sich die Augen. Die Schafe blöken lauter als sonst. Engel singen. Wovon? „Als die Welt verloren, Christus ward geboren, in das nächt'ge Dunkeln fällt ein strahlend Funkeln.“ So singt es in unserem Gesangbuch ein polnisches Lied (Evangelisches Gesangbuch53). Bei Jesaja heißt die Prophezeiung, die wir so gern hören: „Denn uns ist ein Kind geboren ... und es heißt Wunder-Rat, ... Friede-Fürst.“ Uraltes Wissen: „Wer ein vier Monate altes Kind in seinen Armen hält, das ihn anlacht, und glaubt nicht an Wunder und Frieden, dem ist nicht zu helfen“, sagt ein 50 Jahre alter, junger Vater gestern in einer Talkshow.

Uralte Sehnsucht: Bitte um Erleuchtung. Er, Gott, möge zur Welt kommen. Am besten zu mir. Erscheinen wie ein Licht in der Nacht. Ja, sagt Jesaja. Er kommt. Als Kind. Unschuldig. Ausgeliefert. Friedefürst eben. Wer dies Geschenk nicht annimmt, dem ist - bei Gott - nicht zu helfen.

Wer Weihnachten nicht laut mitsingt oder leise sich aufrichtet und glücklich in den geöffneten Himmel schaut, der bleibt ein armer Tropf. Der bleibt im Dunkeln. „Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt. Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt“, Jochen Klepper (Evangelisches Gesangbuch 16).

Wunder-Rat ist sein Name. Wir müssen das nicht verstehen. Das Wunder genügt. Nur hell soll es werden. In uns und um uns. Auf dieser armen reichen Erde. Jede Nacht warten die Mönche darauf und erleben es. Dürfen wir, die Kinder des Alltags, nicht einmal im Jahr daran Anteil haben? Dem Licht glauben?! Wir sind so frei.

Friede auf Erden. Fröhliche Weihnachten. Und Gottes Licht für ein ganzes Jahr.

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foto: dietmar silber Gott
weist uns den Weg

Predigttext zum 31. Dezember 2017
Silvester: 2. Mose 13,20-23

Sie zogen von Sukkot aus und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.
2. Mose 13,20-22

Von Sabine Ost, Pfarrerin im Ruhestand, Berlin

Keinen Schritt mussten sie tun ohne Gott an ihrer Seite. Er selbst wies den Weg, war Tag und Nacht sichtbar und zugleich verborgen. Nur im Glauben erkannten sie Gottes Wegweisung und Führung. Viele blicken heute auf das vergehende Jahr zurück und voraus auf das kommende. Sie überlegen: Was habe ich letztes Jahr erlebt? Wie viel Gutes, das ich gerne festhalten und weiter in meinem Herzen bewahren will? Welche Schwierigkeiten gab (und gibt es vielleicht immer noch) zu bewältigen? Was bedrängt(e) mich? Was erschüttert(e) mich und lässt mich die Zukunft fürchten? Welches Geschehen auf der Welt sorgt oder ängstigt mich?

So fragen wir unwillkürlich, wenn wir Bilanz ziehen. Als Christen fragen wir aber auch: Was hat Gott mir/uns Gutes getan? In welcher Krankheit bin ich bewahrt worden, in welcher Lebenskrise habe ich auch ohne „happy end“ eine Perspektive gefunden, mit der ich leben kann? Wo ist etwas glimpflich ausgegangen, was in einer Katastrophe hätte enden können? Wo ermöglichten mir Versöhnung und Vergebung einen Neuanfang? Wo wandelten sich innere Unsicherheit und Beunruhigung in Geduld, Hoffnungslosigkeit in Zuversicht, Trauer in Freude? Wo habe ich gelernt, mit Einschränkungen und Blessuren jeglicher Art so zu leben, dass das Leben dennoch lebenswert bleibt oder wieder wird? Wann und wo hat Gott uns alle und diese Erde trotz aller Katastrophen, Kriege und Anschläge bewahrt?

Gott war an der Seite der Israeliten, obwohl sie ihn nicht von Angesicht zu Angesicht sehen konnten. Sie mussten nach ihrer Auswanderung aus Ägypten darauf vertrauen, dass Gott selbst ihnen in Gestalt der Wolken- und Feuersäule den Weg wies in eine bessere, in eine gute Zukunft. Gott hatte sich ihnen zwar zu erkennen gegeben, sich jedoch zugleich vor ihren Augen verborgen. Seine Wegweisung und Führung konnten sie daher nur erkennen, weil sie den Weg und das, was ihnen widerfuhr, als Gottes gutes Geleit deuteten und Gott vertrauten. Darauf kommt es heute an, sowohl in unserem ganz persönlichen Ergehen wie in dem der Völker dieser Welt.

Die Bibel bezeugt uns, dass Gott seine Schöpfung am Herzen liegt und Gott ihr, uns allen und diesem Planeten eine gute Zukunft schenken will in Frieden und Gerechtigkeit. Gott selbst weist uns den Weg dahin und steht uns zur Seite. ?Darauf dürfen wir vertrauen und hoffnungsvoll den Schritt ins neue Jahr wagen - trotz aller Sorgen und Probleme, die uns vielleicht ängstigen und das Herz schwermachen. Gott lässt uns nicht allein.

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foto: dietmar silber Ist Gott gestorben?

Aus dem Brief eines Lesers

Wer starb am Kreuz? Gott oder Gottes Sohn? Im Matthäus-Evangelium, Kapitel 26, Vers 64 sagt Jesus: „Ja, ich bin es.“ Oder starb der Menschensohn Jesus aus Nazareth? Gott kann doch nicht selber sterben, sagte ich mir.


Seelsorge von Wolfgang Huber, Bischof a.D. der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Berlin.

Eine große Frage stellen Sie als Lebensfrage und zeigen damit: Glaubensfragen sind Lebensfragen. Für unser Leben hängt viel daran, ob wir dem Tod das letzte Wort lassen oder über den Tod hinaus Hoffnung haben. Meine Hoffnung über den Tod hinaus hängt an Jesus Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Gottessohn. In ihm bekommt Gottes Macht über den Tod ein menschliches Gesicht.

Doch die Vorstellung von einem „gekreuzigten Gott“ fällt uns schwer. Oft unbewusst stellen wir uns Gott so vor, dass er von Leid und Tod unberührt ist. Wir schließen uns damit an eine Tradition an, die nicht aus der Bibel, sondern aus der antiken Philosophie stammt. Gott, so sagt sie, ist über alles Leid in der Welt erhaben und wird vom Tod nicht berührt.

Die Evangelien zeichnen ein anderes Bild Gottes, wie er sich in Jesus zeigt. Er hat Mitgefühl mit den Kranken und Leidenden und richtet sie wieder auf. Und er nimmt selbst das Leid auf sich. Im Garten Gethsemane bittet Jesus den Vater, dass der Kelch des Leidens an ihm vorbeigeht und fügt hinzu: „Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Der Sohn ist vom Vater unterschieden und kann zu ihm beten. Zugleich hält er sich an ?seinen Willen. Der Sohn und der Vater sind eins.

Sie zitieren die Fangfrage des Hohenpriesters Kaiphas bei dem Verhör Jesu. Er fragt Jesus, ob er Christus ist, der Sohn Gottes. Jesus antwortet: „Du sagst es.“ Er vergleicht sich in diesem Zusammenhang mit dem im Alten Testament verheißenen Menschensohn. Er meint damit nicht einfach den Menschen(sohn) aus Nazareth, sondern den endzeitlichen Menschensohn, den Christus, der am Ende der Zeit zum Gericht kommen wird.

Der Hohepriester Kaiphas benutzt diese Aussage zu der Behauptung, Jesus habe Gott gelästert. Doch es ist anders: Jesus preist mit diesen Worten Gott als seinen Vater. Denn sie sind eins: In seinem Sohn geht Gott in den Tod, damit der Tod nicht das letzte Wort hat. Wir glauben nicht nur an den gekreuzigten, sondern zugleich an den auferstandenen Christus.


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Die aktuelle Ausgabe

foto privat Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
die Kerzen sind aufgesteckt auf dem Adventskranz. Die Fenster geschmückt mit den Heiligen Drei Königen, Maria und Joseph und der Krippe aus Scheren-schnittpapier. Sterne flattern über der Heizungswärme. Wie jedes Jahr nehme ich mir vor, die Adventszeit mit Ruhe und zurückgezogen zu verbringen.

Abends schöne Geschichten aus den Adventsbüchern zu lesen und mich auf den einzustimmen, der kommt, um unsere Welt mit Barmherzigkeit zu überschütten und sie in sein Licht zu tauchen. Der Lärm des Alltags ist meist doch lauter, aber die wenigen Stunden, in denen das gelingt, sind kostbar. Sie wärmen die Seele. Dazu gehören die adventlichen und weihnachtlichen Predigten der Frohen Botschaft, die Silvesterandacht, die zurück- und vorausschaut.

Mit weinen und dann wieder mit freuen kann man sich bei den Lebens-geschichten einer Geschäftsfrau und eines Kirchenmannes, die alles verloren und noch mehr als das wiederfanden - jeder an einem anderen Ort. Über den Friedefürst, der kommt, meditiert ein ehemaliger Bischof.

Herzlich grüßt und wünscht Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit,
Ihre

Sibylle Sterzik
Leitende Redakteurin

titel oktober 2017
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