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Der Blick ins Heft Oktober 2017

foto: pixabay.com Der Monatsspruch:

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lukas 15,10

Von Sibylle Sterzik, Redakteurin, Berlin

Vor ein paar Jahren verlor ich meine Lieblingsjacke. Für mich war sie nicht einfach nur ein Kleidungsstück. Ich trug sie wie eine zweite Haut. Ganz unschuldig war ich nicht an dem Verlust. Mit einem anderen Radfahrer hatte ich mir ein kleines Rennen geliefert, Wut war auch im Spiel. Ich gewann zwar, aber irgendwie musste der andere meine Jacke, die hinten im Fahrradkorb lag, herausgezogen und weggeworfen haben. Als ich mich kurz darauf umdrehte war sie weg. Ich hätte viel darum gegeben, sie wiederzubekommen, fuhr die Strecke zurück, suchte. Umsonst. Der Schmerz hielt lange an. Und ich bereute diese Wettfahrt.

Gott freut sich sicherlich nicht so sehr über wiedergefundene Kleidungsstücke. Wenn überhaupt. Um so mehr aber über einen Menschen, der verloren gegangen war, von Gott und seiner Liebe getrennt, und der wieder zu ihm findet. Oder den Gott sucht und wiederfindet? So erzählen es jedenfalls die drei Gleichnisse im 15. Kapitel vom verlorenen Schaf, dem verlorenen Groschen und dem verlorenen Sohn. Die Witwe, der Hirte und der Vater suchen nach dem Verlorenen. Sie finden es wieder.

Ich glaube, Gott tut das auch. Er drängt sich nicht auf, er zwingt nicht, aber er bietet sich selbst immer als Weg zum Umkehren und Wiederfinden an: Kommt zu mir, bei mir ist die Quelle der Weisheit und der Liebe, meine Wahrheit wird euch frei machen: Ändert Euren Sinn. Nur die Liebe vermag das Dunkle zu erhellen, nur durch Vergebung werden Wunden geschlossen, tut sich ein Leben in Frieden und Fülle auf. Wer so lebt, findet schon heute den Tisch gedeckt im Reich Gottes und einst Heimat im Ewigen. Und nicht nur die Engel freuen sich.

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foto: pixabay.com Glauben und Gebet

Predigttext zum 8. Oktober 2017
17. Sonntag nach Trinitatis: Markus 9,17-27

Als nun Jesus sah, dass die Menge zusammenlief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! Da schrie er und riss ihn heftig hin und her und fuhr aus. Und er lag da wie tot, so dass alle sagten: Er ist tot. Jesus aber ergriff seine Hand und richtete ihn auf, und er stand auf. Und als er ins Haus kam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Und er sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.
Markus 9,25-29

Von Matthias Dürschlag, Pfarrer in Michendorf-Wildenbruch im Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg, Michendorf

Der Markusevangelist erzählt uns die Geschichte von der Heilung eines jungen Mannes auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Zuerst hören wir, dass Jesus gerade mit Petrus, Jakobus und Johannes vom Berg der Verklärung zurückkehrt und seine Freunde in wildem Aufruhr und Streit mit Schriftgelehrten und einer im Laufe der Geschichte immer größer werdenden Volksmenge vorfindet. Der Tumult entsteht dadurch, dass es den Jüngern offensichtlich nicht gelungen ist, einen jungen Mann mit schwerer psychischer Störung zu heilen.

Nach der Erhebung und Erleuchtung auf dem Berg der Verklärung ist Jesus wieder in der grauen Wirklichkeit dieser Welt angekommen. Er muss wahrnehmen: Das Eigentliche seiner Botschaft ist von den Menschen nicht verstanden worden. Petrus hatte ihn schon als Christus erkannt - die Jünger hatten schon so viele Wunder erlebt, er hatte ihnen auch schon gesagt, dass er den Weg durch dem Tod am Kreuz zum Leben gehen würde - aber das Eigentliche war den Jüngern und dem Volk noch fremd geblieben. Nämlich, dass Jesus für eine völlig neue, die Welt extrem verändernde neue Beziehung zu Gott steht!

Die Schlüsselbegriffe dieser Beziehung finden sich im Text mit den Worten: Glauben und Gebet!

Jesus sagt: „Alles ist möglich dem, der da glaubt!“ Und die wirklich bösen Geister lassen sich allein durch die Kraft des Gebetes - das heißt der intensiven Beziehung zu Gott vertreiben! Jesus steht für die Veränderung der gesamten Wirklichkeit durch die Kraft der Liebe, die der Beziehung zu Gott inne wohnt. Diese neue Beziehung zu Gott erwächst aus dem Glauben! Der Glaube überlässt das Sein dem Strom göttlicher Liebe ohne doppelten Boden, er ist sich gewiss, dass die dunklen und destruktiven Kräfte, in der Geschichte symbolisiert durch die Krankheit des Kindes, durch die Kraft der Liebe, überwunden und geheilt, gleichsam vertrieben werden können.

Es ist der Glaubende, der sich in den Fluss der Liebe stellt, der sogar den Tod überwinden kann. Durch den Tod hindurch führt der liebende Glaube immer wieder zum Leben. „Siehe ich war tot und bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit!“, spricht der auferstandene Christus. In der Erzählung klingt das Motiv der Ostergeschichte mit - siehe er ist tot - nein, der Knabe lebt, die bösen Geister sind vertrieben.

Der Glaube zeigt und stärkt sich in lebender Verbindung mit Gott, diese erwächst aus dem Gebet, in dem wir uns mit der gänzlich anderen Realität Gottes verbinden.

Das atmende Horchen des betenden Menschen verändert den Lauf der Welt, weil der betende Mensch durch die Berührung zu einem Agenten der Liebe wird. Wenn das geschieht, wird die unendliche Geistkraft Gottes durch uns spürbar, haben die Dunkelheiten das Spiel bereits verloren. Leben wir als Kinder des Lichtes!

Ja, das ist ein waghalsiges Programm - ein Weg ohne doppelten Boden, gehalten allein von Gott in Glaube und Gebet - nicht nur ein guter Weg, sondern auch der beste.

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foto: pixabay.com Jesus hat dich lieb

Predigttext zum 15. Oktober 2017,
18. Sonntag nach Trinitatis: Markus 10,17-27

Von Andreas Fünfstück, Pfarrer im Pfarrsprengel Waldhufen-Vierkirchen in der schlesischen Oberlausitz, Arnsdorf

Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, ... und komm, folge mir nach! Er aber wurde betrübt über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. ... Wer kann dann selig werden?
aus Markus 10,21-26


Wer fragt schon nach dem ewigen Leben? Wer sehnt sich nach Gottes Reich? Heutzutage. Hierzulande. Ewiges Leben ist keine erstrebenswerte Größe. Ganz im Gegenteil, irgendwann muss ja auch mal Schluss sein und Ruhe in Frieden. Und darüber hinaus: Wer hält sich an biblische Gebote von Jugend auf? Die anderen tun’s ja auch nicht, also erspar ich mir doch die Angst vor dem Nadelöhr und das Entsetzen, das sogar Jünger aus der Bahn wirft.

Ganz anderes ist heute wichtig: Ich! Mein Glück. Und dass ich so viel wie möglich davon zu Lebzeiten abbekomme und nicht erst irgendwann im unfassbaren Reich Gottes. Erst nach dem kleinen großen „ich“ kommt einem der Nächste und anderes in den Sinn, das wichtig sein könnte. Frieden. Freude. Essen. Trinken. Ein Dach über dem Kopf und Sicherheit vor der Haustür. Sonne. Wärme und Geborgenheit. Gesundheit vor allem und natürlich: Das bisschen Wohlstand, der nicht von allein kommt. Meinungs-, Religions- und Freiheit überhaupt, Gerechtigkeit und Gewaltverzicht, die erfüllten Pflichten der anderen und die Einklagbarkeit der eigenen Rechte ... Das war, ist und bleibt natürlich alles irgendwie wichtig.

Jesus würde auch unsereinen verschmitzt anlächeln - auch, wenn wir nicht vor ihm niederknien und nach dem ewigen Leben fragen, sondern ihm einfach eilig über den Weg laufen. Vielleicht würde er sogar ehrlich grinsen und uns hinterher oder entgegen rufen: "Eines fehlt dir. ... So würde er auch unsereinen mit Leichtigkeit provozieren und fordern: „Verkaufe ... Verzichte ... Verzeihe! Gönne dir einen Himmel - eine Größenordnung, die über alle deine bisherigen Erklärbarkeiten, Prinzipien und Leistungen hinaus geht. Werde Kind, Kamel ... und dir nicht zu schade, Gott zu suchen.“
Jesus würde uns lieb gewinnen und sagen: "Komm folge mir nach" durch Nadelöhre, die Mühen des Alltags, die Angst vor der Zukunft, die Schwächen des Systems, die Risiken der Globalisierung, die Verantwortung im Großen und Ganzen und im Kleinen und zu Hause. Ich bin bei dir. Jesus würde uns - mit einem Lächeln auf dem Gesicht - lieb haben in unserer Naivität, die darin besteht, dass wir uns gegenseitig immer wieder die Welt und Zusammenhänge erklären wollen und uns auf unsere eigene Kraft aber nicht auf einen kräftigen Glauben an einen Vater im Himmel verlassen.

Jesus wird uns erst recht lieb haben, wenn wir heute verunsichert oder arrogant fragen: "Was soll ich tun ...?" Sein „Lass los und folge mir nach“ wird dann auch uns überfordern. Es wir aber gleichzeitig auch neugierig machen und einladen, mehr zu erwarten, zu glauben und zu hoffen, als das, was bislang vor Augen, berechenbar und erklärbar ist.

Nach Jesus - nach einem Sinn und einem Herrgott, dem ich begegnen kann - zu fragen, das ist doch nicht unmöglich. Das ist der erste Schritt durch’s Nadelöhr.

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foto: usenet p.d. Überlebt
und gerettet

Predigttext zum 29. Oktober 2017
20. Sonntag nach Trinitatis: 1. Mose 8,18-22

Da ging Noah heraus und seine Söhne, seine Frau und die Frauen seiner Söhne mit ihm und alle Tiere, (…) in ihren Familien gingen sie heraus aus der Arche. Da baute Noah einen Altar für den Herrn (…) und er brachte Brandopfer dar auf dem Altar. Da roch der Herr den besänftigenden Duft und sprach zu seinem Herzen: Nicht mehr werde ich die Erde gering schätzen um des Menschen willen, denn das Streben des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an. Nicht mehr werde ich schlagen alles, was lebt, wie ich es getan habe. Alle Tage der Erde sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter und Tag und Nacht.
1. Mose 8,18-22 (Eigene Übersetzung)

Von Tanja Pilger-Janßen, Pfarrerin, Berlin

Mit diesen Worten endet die Fluterzählung - jene Erzählung, in der Gott Menschen und Tiere von der Erde vernichten will. Denn das Tun der Menschen war schlecht und das Trachten ihres Herzens war böse. Nur Noah, untadelig und integer, fand Gnade bei Gott. Er, seine Familie und ausgewählte Tiere werden aus den Fluten gerettet, überleben in der Arche. Überlebt und gerettet. Und jetzt der Moment, die Arche zu verlassen.

Das erste, was Noah tut: Er baut Gott einen Altar, der erste, der in der Bibel erwähnt wird, und opfert Gott. Noah sagt nichts, er opfert nur. Und Gott lässt sich besänftigen vom Duft des Opfers. Was ist das für ein Gott, den ein Opfer besänftigt? Dies überrascht. Doch schaut man in andere Fluterzählungen im Alten Orient, so verwundert es nicht. Im Gilgamesch-Epos beispielsweise geriet den Göttern die Flut aus dem Ruder. Sie fürchteten das Wasser, denn sie drohten zu verhungern, weil die Menschen ihnen keine Opfer mehr brachten. Als dann der Gerettete opfert, riechen sie den angenehmen Duft und versammeln sich wie die Fliegen um den Opfernden und essen gierig. Diese Götter sind auf das Opfer angewiesen. So aber nicht bei dem Herrn: Er lässt sich wie die altorientalischen Götter besänftigen, aber er braucht nicht zu essen. Als riechender Gott ist er zwar sehr menschlich dargestellt, aber er bleibt souverän, weil er das Essen nicht nötig hat und nicht vom Menschen abhängig ist.

Gott ähnelt den Göttern im Gilgamesch-Epos, unterscheidet sich aber doch grundlegend von ihnen. Er bleibt souverän und unabhängig. Er setzt der Fluterzählung eine Verheißung entgegen: Gott wird um des Menschen willen die Erde nicht mehr geringschätzig behandeln. Auch wenn der Mensch bleibt, wie er vor der Fluterzählung gewesen ist, so ist Gott nun versöhnlicher gestimmt: Gott wird den Erdboden und mit ihm die gesamte Natur nicht nochmals mit einer Flut schlagen. Erde und Natur bekommen ihre Würde zugesichert. Und sie erhalten ihre eigenen Zeiten: Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Die Erde ist eingebettet in einen jährlichen und täglichen Lebensrhythmus, sie besteht für alle ihre Tage. Nicht nur Noah und seine Familie haben die Flut überlebt, auch die Erde ist gerettet.

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foto: dietmar silber Christen sprechen
über ihren Glauben

Von Wolfgang Wendt, Mitarbeiter der Evangelischen Wochenzeitung "die Kirche" und Prädikant in Berlin-Buch und Karow

Als Kind und Jugendlicher war ich bei den christlichen Pfadfindern. Hier lasen wir aber nicht in der Kinderbibel, sondern die Psalmen waren unser Lese- und Gesprächsstoff. Unsere Gruppenleiter zeigten uns, dass sich in den Psalmen das ganze Leben widerspiegelt.

Leider wusste ich aber damals noch nicht, dass man Psalmen auch singen kann, dass sie die tragenden Teile der Stundengebete sind. Das bekam ich erst später bei meinen katholischen Geschwistern mit, und dann - oh, welch eine Überraschung! Stundengebete stehen ja auch in unserem evangelischen Gesangbuch! So ist es nicht verwunderlich, dass das Bibelwort, das mich trägt und seit Jahrzehnten begleitet, ein Psalmvers ist: "Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir" (Psalm 139,5).

Die Kraft der Stundengebete lernte ich dann auch bei meinen muslimischen Arbeitskollegen auf den Baustellen kennen. Wir hatten großen Stress, Termindruck, aber sie unterbrachen ihre Arbeit, rollten ihre Gebetsteppiche aus und beteten mehrmals am Tag. "Wir brauchen das, es gibt uns neue Kraft" - war ihre Antwort, wenn sich jemand daran störte. Ich selbst konnte diese Erfahrungen bei meinen Aufenthalten in Klöstern machen. Daher freut es mich sehr, dass es in Berlin immer mehr Gemeinden gibt, die Stundengebete (meist Vesper oder Komplet) anbieten.

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Die aktuelle Ausgabe

foto privat Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
nun ist es endlich soweit. Am 31. Oktober feiern wir das 500. Jubiläum des Thesen?anschlags von Martin Luther an der Wittenberger Schlosskirchentür. Wie es sich genau zugetragen hat, da streiten sich die Historiker. Sicher aber ist, dass Luthers 95 Thesen die Reformation in Gang gesetzt haben, die zur Evangelischen Kirche führte. Allemal ein Grund zu feiern.

Was hätte Martin Luther wohl gedacht, wenn er im 500. Reformationsjahr dabei gewesen wäre? Wir können es nur vermuten. Einige Gedanken dazu können Sie, ein wenig schmunzelnd, aber durchaus ernst gemeint, in dieser Ausgabe lesen. Viele Bücher sind aus Anlass des Reformationsjubiläums geschrieben worden, manches wird auf der Buchmesse vom 11. bis 15. Oktober in Frankfurt/Main zu haben sein. Der Theologe Bernd Krebs stellt einige vor, die man auch noch lesen kann, wenn das Jubeljahr vorüber ist.

Der Krankenbrief geht an eine 102-jährige Dame, die Dank ihrer Kinder noch allein in ihrer Wohnung lebt. Was ihm Psalmen bedeuten, erzählt Wolfgang Wendt und in der Reihe „Meine große Angst“ geht es um eine bevorstehende Operation und die heilende Wirkung von Lavendel. Viel Freude beim Lesen wünscht und grüßt herzlich
Ihre

Sibylle Sterzik
Leitende Redakteurin

titel oktober 2017
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